Schlüsselfiguren
Jürgen „Grabi“ Grabowski – der Edeltechniker: Der seit der WM 1970 in Mexiko angeblich „beste Einwechselspieler der Welt” gehört bis heute zu den besten Spielern, die Eintracht Frankfurt je unter Vertrag hat. Dort ist er natürlich immer Stammspieler. Der gebürtige Wiesbadener kommt 1965 an den Main und läuft 15 Jahre lang im Eintracht-Trikot auf. Der Stürmer und Spielmacher erzielt innerhalb seiner Karriere 109 Bundesliga-Tore und gewinnt zweimal in Folge den DFB-Pokal (1974, 1975), bevor er durch eine Grätsche von Lothar Matthäus so schwer verletzt wird, dass er 1980 seine Karriere beendet. Am UEFA-Pokal-Sieg, den Frankfurt in eben diesem Jahr gewinnt, ist er tragischerweise nicht beteiligt – jedenfalls nicht im Finale. Durch seine großen Verdienste für die Mannschaft zählen ihn Frankfurt-Fans aber bis heute zur siegreichen Elf. Der Weltmeister von 1974 ist nach seiner Karriere als Interimstrainer und Aufsichtsrat weiter für den Verein tätig und wird von zwei hessischen Filmemachern mit einer Dokumentation geehrt. Vor Heimspielen wird er im Vereinslied „Schwarz-weiß wie Schnee" auch heute noch besungen.
Bernd „Holz“ Hölzenbein – der geschickte Stolperer: Seit 2013 ziert ein Abbild von Bernd Hölzenbein eine der „Säulen der Eintracht" in der U-Bahn-Station Willy-Brandt-Platz in Frankfurt. Das sagt viel über seine Bedeutung für den hessischen Bundesligisten aus. 420 Mal läuft der Flügelspieler für die Eintracht auf und trägt aktiv zu drei DFB-Pokalsiegen (1974, 1975, 1981) sowie einem UEFA-Pokal-Sieg (1980) bei. Von 1967 bis 1981 ist Hölzenbein als Spieler bei der Eintracht, im Anschluss wird er Manager, Vize-Präsident und Nachwuchsscout. Zu aktiven Zeiten ist „der Holz” das Schlitzohr, das Tore im Sitzen schießt und immer im richtigen Augenblick im Strafraum umzufallen weiß (auch ohne Berührung durch den Gegenspieler). So auch im Endspiel der Fußball-WM 1974 in Deutschland. Noch heute ist er mit 160 Bundesliga-Toren der erfolgreichste Stürmer der Eintracht.
Anthony Yeboah – der Stolze: Von 1990 bis 1995 stürmt der Ghanaer für die Eintracht. Insgesamt 123 Mal läuft er im Eintracht-Dress in der Bundesliga auf und erzielt 68 Treffer für die Hessen. Gemeinsam mit Uwe Bein und Andreas Möller bildet er das „magische Dreieck”. Sein Erfolg in der Bundesliga macht ihn zum Nationalhelden in seinem fußballbegeisterten Heimatland und in Frankfurt zum ersten afrikanischen Kapitän einer Bundesligamannschaft. Yeboah gilt seinerzeit als einer der besten Stürmer Europas und wird 1993 und 1994 zum Torschützenkönig gekrönt. Sein Porträt ziert die Wand des sogenannten Yeboah-Hauses in Niederrad, das wohl jeder schon mal gesehen hat, der mit der Bahn zum Frankfurter Flughafen gefahren ist. Es ist ein augenfälliger Appell gegen Rassismus.

Karl-Heinz Körber – der Treue: „Charly" Körbel spielt während seiner Profikarriere ausschließlich für Eintracht Frankfurt und hält mit 602 Spielen den wohl ewigen Rekord nach Einsätzen in der Bundesliga. Ebenfalls besonders: In all seinen Pflichtspielen, wozu auch sechs A-Länderspiele zählen, fliegt er nie vom Platz. Seiner Anhänglichkeit an die Eintracht, die er nach dem Rauswurf von Jupp Heynckes auch trainiert und deren Fußballschule er seit 2002 leitet, bringt ihm das Signum „der treue Charly" ein. So heißt auch seine Biographie.
Alfred Pfaff – die Ikone: Pfaff ist der erste von drei Fußballweltmeistern von Eintracht Frankfurt. Pfaff ist Mitglied der deutschen Nationalelf, die 1954 Ungarn im Endspiel mit 3:2 schlägt. Er kommt in der Vorrunde im bedeutungslosen Spiel gegen Ungarn (3:8) zum Einsatz und erzielt in der 26. Minute das Tor zum 1:3. Durch Fritz Walter ist die Position des Spielmachers in der Nationalmannschaft besetzt, sodass Pfaff in der Länderelf keine tragende Rolle spielen kann. Er spielt zwischen 1953 und 1956 sieben Mal in der deutschen Nationalmannschaft und erzielt zwei Tore. Von 1949 bis 1961 absolviert er für die SGE 301 Oberliga-Spiele und erzielt 103 Tore. Mit der Eintracht gewinnt er als Kapitän im Jahr 1959 in Berlin gegen den Lokalrivalen Kickers Offenbach die deutsche Meisterschaft. Nach 6:1- bzw. 6:3-Erfolgen im Halbfinale gegen Glasgow Rangers – in beiden Spielen erzielt Pfaff jeweils zwei Tore – zieht er mit Eintracht Frankfurt 1960 in das Finale des Europapokals der Landesmeister gegen Real Madrid ein. Am 18. Mai 1960 setzen sich die Spanier mit 7:3 Toren durch. Von 1953 bis 1959 absolviert Pfaff mit der Eintracht zwölf Endrundenspiele um die deutsche Meisterschaft und schießt drei Tore. Insgesamt ist er in zehn Europapokalspielen für die Hessen am Ball. Pfaff ist lebenslang Ehrenmitglied und Ehrenspielführer von Eintracht Frankfurt.
Andreas Möller – heul doch! Der gebürtige Frankfurter wechselt 1981 vom Lokalrivalen BSC Schwarz-Weiß als Junior zur Eintracht und steigt vier Jahre später, nach dem A-Junioren Meistertitel, in den Profikader auf. Er bleibt noch zwei Jahre, bevor er sein Glück in Dortmund sucht. Noch zwei weitere Male unterschreibt „Andy" im Anschluss einen Vertrag mit der Eintracht, doch er bleibt nie länger als zwei Jahre. Von 1990 bis 1992 trifft er in 69 Spielen für die Eintracht 28 Mal und geht erneut, als es gerade am Schönsten ist. Zwar gewinnt der Hesse seine größten Titel nicht mit Eintracht Frankfurt, dennoch prägen seine offensive Spielweise und seine Torgefährlichkeit, trotz Mittelfeldposition, den Verein nachhaltig. Seinen Abschied als Spieler feiert Möller 2004 bei seinem Heimatverein. Trotzdem stößt seine Rückkehr als Leiter der Scoutingabteilung im Herbst 2019 nicht nur auf Gegenliebe beim harten Kern der Fanszene, die ihm u.a. seine Vergangenheit bei Kickers Offenbach (Manager) vorhält.
Istvan Sztani – der schillernde Typ: Der Ungar verlässt nach dem Volksaufstand seine Heimat und trifft am 17. Dezember 1956 am Frankfurter Hauptbahnhof ein. Der schillernde Typ fällt nicht nur durch sein Outfit auf. Nach Ablauf seiner Sperre spielt er von 1957 bis 1959 erstmals bei der Eintracht, für die der Stürmer in 36 Oberligaeinsätzen 20 Tore erzielt und für die er im Meisterschaftsfinale 1959 gegen Offenbach schon nach 16 Sekunden trifft. In der Verlängerung gelingt ihm ein weiteres Tor. Spätestens danach ist er Kult beim Klub am Main, den er allerdings gleich nach dem Titelgewinn verlässt und bei Standard Lüttich anheuert. 1965 kehrt er zurück, kann an seine Form aber nicht mehr anknüpfen und kommt in drei Jahren nur auf 21 Einsätze. Seinem Standing im Verein tut das keinen Abbruch, noch 40 Jahre nach dem Triumph von Berlin beschäftigt ihn Eintracht als Jugendtrainer. 2018 sagt der damals 81-jährige bei einem Interview für das Eintracht-Museum: „Ich bin ein Eintrachtler."
Dietrich Weise – der Talentförderer: Der Mann, der ein Faible für die Jugend hat, ist noch 30 Jahre nach seinem Abgang am Main hochwillkommen. Weise trainiert die Eintracht gleich zweimal (1973-76 und 1983-87) und zeichnet für ihre ersten DFB-Pokalsiege (1974 und 1975) verantwortlich. 1976 wechselt er nach 1. FC Kaiserslautern, sammelt danach als DFB-Trainer Lorbeeren (U 18-Europameister, U 20-Weltmeister 1981) und kehrt im Oktober 1983 zur Eintracht zurück. Die rettet er in den Relegationsspielen gegen den MSV Duisburg (5:0/1:1) vor dem Abstieg. Dabei geht er volles Risiko und setzt auf Teenager wie Thomas Berthold, Ralf Falkenmayer oder Armin Kraaz – man spricht mit Respekt von den „Weise-Bubis". Einige von ihnen machen – dank Förderer Weise – eine große Karriere.