Kapitel 06

Personae Non Gratae

Diese Typen sind unbeliebt
3 Min. LesezeitAktualisiert: März 2026
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Klaus Gerster – der schwarze Abt: Der ehemalige Co-Trainer der Eintracht macht als eher windiger Spielerberater von sich reden. Bekannt als „Schwarzer Abt”, von RTL auch mal in farblicher Abwechslung als „weißer Abt“ bezeichnet, dem die eigene Provision wichtiger als die Moral ist, macht er sich in Frankfurt viele Feinde. Besonders die zahlreichen Transfers von Andy Möller - stets verbunden mit öffentlichen Treueschwüren, bevor der nächste Wechsel folgt - stoßen den Frankfurt-Fans bitter auf. Gerster betont stets die Rechtmäßigkeit seiner Transfers, dennoch gilt er in Frankfurt als Persona Non Grata. Der „Spiegel" bezeichnet ihn im Februar 1991 „als das größte Unheil, das über einen Fußballklub hereinbrechen kann”.

Alfons Berg – der Skandal-Schiri: Es ist der 16. Mai 1992, als Schiedsrichter Berg mit einem Nicht-Pfiff die Frankfurter für die kommenden Dekaden traumatisiert. Beim FC Hansa in Rostock bestreitet die Eintracht ihr letztes Saisonspiel und hat im Dreikampf mit Dortmund und Stuttgart die größten Chancen auf den Meistertitel. Ein Sieg beim designierten Absteiger hätte alles geklärt. Als Rostock in Führung geht, behalten die Hessen die Nerven und gleichen durch Axel Kruse wenig später aus. Die Fans sind überzeugt, dass jeden Moment der Siegtreffer fallen muss, doch der Fußballgott hat an diesem Tag andere Pläne. In der schicksalhaften 76. Minute passt Yeboah an der Strafraumkante zu Ralf Weber, der nur noch abziehen muss. In diesem Moment wird ihm von hinten ein Bein weggezogen, der Verteidiger fällt und Rostocks Torwart hält den schwachen Schuss. Der Elfmeter für Frankfurt ist allen im Stadion klar - außer Alfons Berg. Der Schiri lässt weiterlaufen und aus lauter Fassungslosigkeit verliert Frankfurt am Ende noch 1:2 und die Meisterschaft ist futsch. Weber tritt eine Kamera kaputt. In der Kabine fliegen die Glasflaschen und die Eintracht-Fans haben Berg den verpassten, laut Kruse „klarsten Strafstoß des Lebens”, bis heute nicht verziehen. Berg gesteht nach Ansicht der Fernsehbilder seinen Fehler ein, was ihm den ewigen Zorn der Hessen auch nicht erspart.

Fanz und Rohr – Die Erfolglosen: „Schluß mit dem FirleFANZ" und „ROHRkrepierer FirleFANZ" bilden 1999 nur die Spitze des kreativen Eisbergs der Eintracht-Fans. In Großbuchstaben machen sie auf Bannern - mehr oder weniger einfallsreich - ihrem Ärger Luft. Ihr Unmut richtet sich zunächst gegen Trainer Reinhold Fanz, der im Dezember 1998 kommt, um den abstiegsbedrohten Verein zu retten, dies aber nicht zu schaffen scheint, weshalb er nach nur einem Sieg in neun Spielen entlassen wird. Der unglücklich agierende Mannheimer Gernot Rohr, von Oktober 1998 an Technischer Direktor, ist das zweite Banneropfer. Beide verabschieden sich im April 1999 wieder aus Frankfurt.

Eintracht Frankfurt Fans Rostock-Desaster Erinnerung 2017 RB Leipzig
Abb. 1.16.6 Die Hessen können nachtragend sein. Auch am 20.05.2017 im Spiel gegen RB Leipzig ist das Rostock-Desaster aus dem Jahr 1992 nicht vergessen. Und schon gar nicht verarbeitet. Foto: Imago Images/ Picture Point

Jupp Heynckes – der Scherbenhaufen: Peinlich, peinlicher, Heynckes. „Wenn ich hier in Frankfurt anfange, werden die Uhren anders gehen", kündigt Jupp Heynckes bei seinem Amtsantritt als Frankfurter Trainer im Juli 1994 an. Am Ende steht der Verein vor einem Scherbenhaufen. Der ehemalige Bayern-Coach, der Stürmerstar Anthony Yeboah in einer Live-Schalte mit RAN (Sat 1) „Schwierigkeiten, sich zu artikulieren" unterstellt, wirft sowohl den ghanaischen Top-Torjäger als auch Mittelfeldspieler Maurizio Gaudino und Dribbelkünstler Jay-Jay Okocha nach einem verweigerten Straftraining raus. Okocha wird begnadigt, die anderen „Rebellen" wechseln zu Leeds United und Manchester City in die Premier League. Am 31. März 1995 tritt „Don Jupp" nach nur zwei Siegen aus den vorangegangenen zehn Bundesliga-Spielen zurück. Ein Jahr später steigt Frankfurt ab.

Michael Thurk – der Mainzer: Michael Thurk ist ein Wanderer zwischen Mainz 05 und Eintracht Frankfurt. Und er ist eine Mainzer Spieler-Legende. Zwischen 1999 und 2006 absolviert er 202 Partien im Trikot der 05er und gehört zu den Helden des ersten Mainzer Bundesliga-Aufstiegs im Jahr 2004. Im Jahr 2006 wechselt Thurk zu Eintracht Frankfurt. Ohne großen Erfolg. Er spielt 24 Partien für die SGE und schafft drei Scorerpunkte. Im Sommer 2007 ist Schluss in Frankfurt. Im Jahr 2019 geht er als Co-Trainer zu Mainz 05 und unterschreibt dort einen Zweijahresvertrag.

Peter Beuth – der Innenminister: Peter Beuth, Innenminister von Hessen im Jahr 2019 und die Frankfurter Fanszene sind nicht die besten Freunde. Vor dem Europa-League-Spiel gegen Schachtjor Donezk am 21. Februar 2019 kommt es zum Showdown im Eintracht-Stadion. Die Polizei beschlagnahmt ein Banner. Laut „Frankfurter Rundschau" stehen darauf die Worte „Beuth, der Ficker fickt zurück". Es kommt zu Rangeleien zwischen Polizei und Fans. Im März 2019 folgt die nächste Aktion der Fans. Dieses Mal verzichten sie auf Beleidigungen und hängen das Stadion mit politischer Kritik und bissigen Wortspielen mit dem Namen des Innenministers zul. Die „Frankfurter Rundschau" zählt 54 Banner und Plakate.

Alle Kapitel: 01. Prolog 02. Good to Know 03. Für die Hater 04. Für die Lover 05. Schlüsselfiguren 06. Personae Non Gratae 07. Tragisch 08. OMG — Oh My God 09. Fun Facts 10. Special Moments 11. Weise Worte 12. Steckbrief [Annex]
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