OMG — Oh My God
Die Eintracht – Das ist manchmal „Zwietracht Zankfurt", oft aber auch ein echter Frankfurt-Krimi. Mal mit, mal ohne „Schattenmann", wie 1995 bei Dieter Wedels gleichnamigem Frankfurt-Mehrteiler.In den Hauptrollen: Ein mutmaßlicher Autoschieber, ein Vizepräsident, der die eigenen Spieler finanziell schädigt, ein ungarischer Rekord-Transfer, der nur geliehen ist, und ein Präsident aus dem Rotlicht-Milieu. Hier ist die Akte Eintracht F…
„Gottschalk Late Night" mit Gaudino: Nein, die Zeit von Maurizio Gaudino bei der Eintracht ist keine Erfolgsstory, sondern eher eine Crime Story made in Bembeltown! 1992 vom VfB Stuttgart geholt wird der Nationalspieler im Dezember 1994 unmittelbar nach der RTL-Talkshow Gottschalk Late Night verhaftet. Die Begründung: Verdacht auf Versicherungsbetrug mit als gestohlen gemeldeten Autos aus den Jahren 1992/93. Moderator Thomas Gottschalk reagiert schlagfertig: „Der übliche Weg ist es ja, erst verhaftet zu werden und dann in eine Talk-Show zu gehen. Dass das jetzt andersherum abläuft, ist mir auch neu." Auch für Gaudino-Berater Wolfgang Fahrian gilt die Unschuldsvermutung: „Ich kenne Maurizio schon lange, Autoschiebereien traue ich ihm nicht zu." Das Amtsgericht Mannheim schon, Gaudino erhält 1996 eine Geldstrafe von umgerechnet 90.000 Euro.
Gekündigt: Doch der „Scheppe" macht nicht auf! Hoch verschuldet trotz des Verkaufs von Superstar Lajos Detari, der die Hessen nach nur einer Saison (33 BL-Spiele / 11 Tore) verlässt, fliegt am 13. September 1988 Trainer Karl-Heinz Feldkamp. Er hat sich geweigert, einen Spieler zu verpflichten, den er vorher nicht gesichtet hatte. Fünf Tage später leistet sich Eintracht Frankfurt eine Peinlichkeit auf Schildbürger-Niveau. Man entlässt Manager Wolfgang „Scheppe" Kraus. Zuvor hat Kraus den umstrittenen Eintracht-Präsidenten Dr. Klaus Gramlich in einem streng vertraulichen und dann doch an die Öffentlichkeit gelangten Brief regelrecht an die Wand genagelt: „Er hat von Fußball sowieso keine Ahnung, ist ein Selbstdarsteller, lebt über seine Verhältnisse und rechnet private Kosten über die Eintracht ab." Die Entlassung folgt auf einzigartige Weise. Da Kraus seine Haustüre nicht öffnet, wird ihm die fristlose Kündigung von Vizepräsident Klaus Mank nach mehreren vergeblichen Versuchen durch das Toilettenfenster zugestellt! Kraus dazu 1999 in der HR3-Dokumentation „Eine Diva wird 100″: „Die fristlose Kündigung ist am richtigen Ort gelandet: In meiner Gäste-Toilette."
Die Detari-Millionen oder „Es ist alles nur geliehen": Der Ungar Lajos Detari hat Eintracht Frankfurt 1988 per Freistoßtor gegen den VfL Bochum zum DFB-Pokalsieger gemacht. Mitte Juli 1988 erklärt der Spielmacher seinen Abschied – und wechselt zehn Tage vor Saisonstart für umgerechnet acht Millionen Euro zu Olympiakos Piräus! Schon im Januar 1988 berichtet BILD am SONNTAG, dass die Transferrechte für Detari gar nicht bei der Eintracht, sondern beim ungarischen Fußballverband lägen. Das bestätigt Detari Jahre später. „Ich war nicht von Frankfurt gekauft worden, sondern nur vom Verband ausgeliehen", sagt der Mittelfeldspieler zu 11 FREUNDE. Das gilt auch für die 16 Millionen Mark, die aus Piräus kommen. Diese landen nicht in Frankfurt. „Das war ein super Geschäft für den ungarischen Verband und den Sportminister, der sagt: Wir wollen, dass du in Griechenland spielst", bekennt Detari.31
31. Übrigens: Es gibt auch Frankfurter Kreise, die behaupten, dass die SGE nicht ganz leer beim Detari-Transfer ausgegangen sei.↩
